Dienstag, 30. Juni 2026
Peter Henisch: Der Jahrhundertroman
Samstag, 27. Juni 2026
Shaun Bythell: Confessions of a Bookseller
Diese Anekdote aus meinem persönlichen Erfahrungsschatz könnten problemlos so in den Tagebüchern von Shaun Bythell, dem Antiquar aus dem schottischen Wigtown stehen. Dieser hat es nämlich auch im zweiten Band nach Tagebuch eines Buchhändlers mit unverständigen, rüpelhaften, geldgeilen und grenzdebilen Kundinnnen und Kunden zu tun. Alles, was ich über den ersten Band geschrieben habe, trifft auch auf diesen zweiten zu.
Er liest sich unterhaltsam, bietet aber nichts wirklich Neues, Bythell hat einfach das Pferd noch ein bisschen weitergeritten und ein weiteres Jahr im Buchladen beschrieben. Für die Recherche zu Europa für Buchverliebte, das ich gemeinsam mit Angelika Dietrich und Sandra Sukola verfasse, und das demnächst im Bruckmann Verlag erscheint, wollte ich es aber unbedingt lesen.
Gekauft habe ich es übrigens übrigens bei Porta Libri, einem grandiosen Antiquariatscafé in Portobello, Edinburghs Vorort am Meer. Es wurde als signierte Erstausgabe angepriesen. Signiert allerdings nicht von Shaun Bythell, den ich auf meiner Schottlandreise leider nicht getroffen habe. Vielmehr hat ein mysteriöser Peter Kenny seine Unterschrift auf den Titel gesetzt. Es stellte sich heraus: der Sprecher, der das Hörbuch eingelesen hat. Na ja, ich habe mich entschieden, das Buch bedenkenlos (aber natürlich pfleglich) auf dem Badetuch zu lesen. Im Rekordsommer 2026 muss ich raus!
Dienstag, 9. Juni 2026
Joseph Hone: The Book Forger
Dieser dokumentarische Roman erzählt die wahre Geschichte von Thomas James Wise, der als Englands größter Bücherjäger des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts galt. Wie schaffte es dieser Mann aus einfachen Verhältnissen nur, unaufhörlich kostbarste Erstausgaben großer Autoren aufzutun und auf den Markt zu bringen? Die Antwort: Weil er sie selbst gefälscht hatte. Er ließ nicht nur vermeintlich alte Bücher drucken - angebliche Privatdrucke, von denen selbst deren Autoren noch nichts gehört hatten -, sondern fledderte auch zahllose Bücher im British Museum und vervollständigte mit den erbeuteten Seiten Stücke in seiner eigenen Sammlung.
Wise genoss höchstes Ansehen - und so verwundert es nicht, dass die beiden jungen Buchhändler Pollard und Carter ("the Biblio Boys"), die ihm mit damals modernen Methoden auf die Schliche kamen, nur wenig Gehör fanden. Bis zu Wises Tod konnten sie ihm die Betrügereien und Fälschungen nicht nachweisen. Wiese selbst schwieg. Erst Jahrzehnte später fanden sich immer mehr Beweise für den großen Londoner Bibliophilen-Bluff.

