Samstag, 27. Juni 2026

Shaun Bythell: Confessions of a Bookseller

Immer mal wieder verkaufe ich Bücher auf Flohmärkten (zu wirklich extrem niedrigen Preisen, kann sein, dass Ihr mich beim großen Altstadtflohmarkt Nördlingen am 1. August 2026 verkaufend finden werdet, aber das nur nebenbei). 

Dabei habe ich schon mehrfach ein seltsames Phänomen beobachtet. Eine Flohmarktbummlerin greift sich ein Buch aus meinen Kisten, blättert es durch, liest sogar darin. Dann, mit einem Mal, schmeißt sie es regelrecht zurück in die Kiste, als hätte sie sich soeben die Finger verbrannt, müsste ihren ganzen Abscheu vor meiner Dreistigkeit, etwas so Wertloses wie ein Buch gegen etwas so Wertvolles wie einen Bargeld-Euro tauschen zu wollen, in dieser Geste zum Ausdruck bringen. Pfui! Buch! Ich verstehe, dass sie das Buch nicht kaufen will. Aber nicht, warum sie es deshalb gleich kaputtmachen muss. 

Diese Anekdote aus meinem persönlichen Erfahrungsschatz könnten problemlos so in den Tagebüchern von Shaun Bythell, dem Antiquar aus dem schottischen Wigtown stehen. Dieser es nämlich auch im zweiten Band nach Tagebuch eines Buchhändlers mit unverständigen, rüpelhaften, geldgeilen und grenzdebilen Kundinnnen und Kunden zu tun. Alles, was ich über den ersten Band geschrieben habe, trifft auch auf diesen zweiten zu. 

Er liest sich unterhaltsam, bietet aber nichts wirklich Neues, Bythell hat einfach das Pferd noch ein bisschen weitergeritten und ein weiteres Jahr im Buchladen beschrieben. Für die Recherche zu Europa für Buchverliebte, das ich gemeinsam mit Angelika Dietrich und Sandra Sukola verfasse, und das demnächst im Bruckmann Verlag erscheint, wollte ich es aber unbedingt lesen. 

Gekauft habe ich es übrigens übrigens bei Porta Libri, einem grandiosen Antiquariatscafé in Portobello, Edinburghs Vorort am Meer. Es wurde als signierte Erstausgabe angepriesen. Signiert allerdings nicht von Shaun Bythell, den ich auf meiner Schottlandreise leider nicht getroffen habe. Vielmehr hat ein mysteriöser Peter Kenny seine Unterschrift auf den Titel gesetzt. Es stellte sich heraus: der Sprecher, der das Hörbuch eingelesen hat. Na ja, ich habe mich entschieden, das Buch bedenkenlos (aber natürlich pfleglich) auf dem Badetuch zu lesen. Im Rekordsommer 2026 muss ich raus!

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