Dienstag, 30. Juni 2026

Peter Henisch: Der Jahrhundertroman

Hat mich nicht überzeugt. 

Ein alter Mann, "Herr Roch", hat einen Roman geschrieben, in dem er die Wiener Schriftstellerinnen und Schriftsteller des 20. Jahrhunderts auftreten lassen will. Die junge Studentin Lisa, die in seinem Stammcafé bedient, will er dafür gewinnen, das Manuskript für ihn abzutippen - und vor allem, um ihm zuzuhören. Lisa wiederum will ihre Freundin Semira vor der drohenden Abschiebung retten.

Henisch war 2021, zum Zeitpunkt, als dieser Roman erschien, schon 78 Jahre alt. Lisa, ist wie die Autoren der Sechzigerjahre, damals schon ungelenk, die Denkwelt der Jugendlichen beschrieben. Damals immerhin gehörten sie selbst noch halbwegs dazu. Jetzt liest sich das sehr unschön.

Zu Ende gelesen habe ich das Bucg überhaupt nur, weil es für mein Buch "Wien für Buchverliebte" ein bisschen Hintergrund liefern sollte. In Rochs Roman treten auf: das 20. Jahrhundert und seine Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Robert Musil natürlich, Elfriede Jelinek, Friederike Mayröcker, Ernst Jandl, Thomas Bernhard, Peter Handke, H.C. Artmann, Heimito von Doderer. Henisch gelingt es mal sehr gut, mal besser, mal schlechter in die Sprache und das Denken der Porträtierten einzutreten.

Sie tauchen in kleinen Anekdoten, unscheinbaren, fast belanglosen Lebenssituationen auf. Dabei spielt es eigentlich keine Rolle, ob sie so stattgefunden haben - Roch und damit Henisch also auf Aufzeichnungen zurückgegriffen haben - oder ob sie völlig aus der Fantasie der Autoren entsprungen sind. 

Er ist schon ein seltsamer alter Mann, dieser Roch. Da fällt ihm ein, dass er ja noch Kokain zu Hause hat, was er auch sogleich konsumiert. Er noch eine lebensgroße Puppe zu Hausw, die er mit Lisas Mütze zur Gesprächspartnerin ausstaffiert. Er erzählt ihr, wie er schon als Jugendlicher Romane großer Schriftsteller einfach weitergeschrieben hat. Fanfiction heißt das heute. "Mit Hemingway tat ich mir leichter. In seinen Rhythmus zu kommen, war kein Problem." So, so. 

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