Montag, 11. November 2024
Rolf Dobelli: Die Kunst des guten Lebens
Sonntag, 20. Oktober 2024
Gaea Schoeters: Trophäe
Irgendwo in Afrika: Ein US-amerikanischer Großwildjäger scheitert an einem Nashorn und akzeptiert stattdessen das Angebot, gegen fürstliche Bezahlung einen Menschen – den Angehörigen eines indigenen Volkes – bis zum Tod zu jagen. Die Idee ist unerhört und verspricht Spannung. Tatsächlich ist der Roman der flämischen Autorin Gaea Schoeters als philosophische Betrachtung über Jagen und Gejagtwerden, Leben und Sterben, Kampf und Wagnis angelegt. Freitag, 27. September 2024
Birgit Vanderbeke: Alberta empfängt einen Liebhaber
Von 1997. Das waren Zeiten. So schreibt heute niemand mehr. So denkt heute niemand mehr. Schreiben und sich platte Handlungen ausdenken (die dämlicher gar nicht gehen, aber das ist ja egal, das interessiert ja nicht), macht heute die KI. Wie viel dadurch doch schon verloren gegangen ist…
Also: Birgit Vanderbeke (1956-2021) lesen, ist ein großer Genussgewinn. Erzählt wird in wunderschöner Sprache und in verschachtelten Ebenen von der Liebe. Es will der Erzählerin nicht gelingen, dieses Ding Liebe zu fassen - und dieses Scheitern fasziniert.
Alberta und Nadan lieben sich lebenslang, auch wenn oder weil sie sich immer nur in kurzen Episoden begegnen. Daneben leben beide ihr jeweils eigenes (Familien)Leben. Sie lieben sich aber „womöglich nur mit dem Kopf und der Seele“. Im wirklichen Leben stört Alberta sich an den profanen Gurgelgeräusch, das Nadan beim Zähneputzen macht: Liebe ist nicht profan. Und Liebe im Kopf ist leichter als Liebe im Leben. Aber das ist nur die Oberfläche, die wirkliche, tiefere Ursache, warum diese beiden endlos aneinander vorbei lieben, kann die Erzählerin einfach nicht ergründen.
Samstag, 14. September 2024
Ingomar von Kieseritzky: Fortune oder die Tücke des Objekts
In diesem kleinen, aber gehaltvollen Hörspiel des Schriftstellers Ingomar von Kieseritzky (1944-2019) reist eine englische Gruppe von Sammlern - darunter auch eine Lady - nach Weimar. Um einen seltsamen Wunderkammer-Pavillon in der auszustatten, suchen sie nach Devotionalien und kostbare Hinterlassenschaften der alten Klassiker. Aber so einfach, wie sie sich das vorgestellt haben, ist es nicht.
Was sind finden, sind elegant verpackte, zeitlose Wahrheiten über das Sammeln und Horten, Erinnern und Vergessen, Bewahren und Befreien, den Wert der Gegenstände und die Frage, was mit uns ist, wenn wir endlich bekommen, was wir immer gesucht haben. Hörenswert!
Freitag, 13. September 2024
Walter Moers: Die Insel der Tausend Leuchttürme
Der dichtende Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz erzählt in 19 unerwiderten Briefen von seinem Besuch auf der Insel Eydernorn, wo er seine Bücherstauballergie auskurieren möchte. Aber dieses wundersame Eiland mit 111 Leuchttürmen, seltsamen Bräuchen und noch seltsamerem Getier faszinieren den Lindwurm einfach zu sehr, um hier in Ruhe Kuranwendungen über sich ergehen zu lassen. Er hat viele Fragen…. zu viele?
Ja, Walter Moers ist der große Mann der deutschen Literatur. Aber sein zweiter Vorname ist Längen. Er ist manchmal einfach zu verliebt in seine Einfälle, wälzt sie umfassend und mit allem, was Sprache hergibt, aus. Ist ja auch gut so. Man muss sich eben durchfressen.
Und das lohnt sich ja dann auch. Wenn ein genial porträtierter Widergänger Gottfried Benns als Kurarzt praktiziert. Wenn Mythenmetz jedes Maß verliert beim Speisen im Gasthof Fackelfisch, in dem ausschließlich Getier aus den untersten Meerestiefen serviert wird. Wahrscheinlich wurde nie ein Restaurantbesuch in deutscher Sprache origineller, ideenreicher beschrieben.
Mythenmetz bereichert Moers‘ Kosmos Zamonien - hier gibt es keinen Computer, kein Telefon, kein Radio, keine Fotografie, Elektrizität? Eher nicht. Dampfmaschinen? Denkbar - Mythenmetz selbst bringt da-Vinci-gleich Erdindungen wie die Zahnseide, den Teebeutel, den Strandkorb und die Postkarte hervor. Er entdeckt das Zen in der Kunst des Krakenfiekens - des golfähnlichen Inselsports. Und er will alles über diese maritime Welt wissen.
„Sie haben an ein paar Leuchtturmtüren zu viel geklopft, und jetzt hängen Sie am Haken“, raunt ihm die Eydeertin Nephelenia Mauersegler kurz vor dem großen Showdown zu.
Keine leichte Kost und deshalb ein Hochgenuss. Oder umgekehrt.
Sonntag, 21. Juli 2024
Harry Mulisch: Augenstern
Christine Féret-Fleury: Das Mädchen, das der Metro las
Richtig Spaß aber machen die poetischen, originelle Betrachtungen über Bücher, Lesen und alles, was damit zusammenhängt. Das findet hier weit mehr Platz und liest sich hinreißender als in den meisten anderen Werken dieses speziellen, von mir geliebten Genres. Die Autorin liebt Bücher, o ja.
Über Antiquariate:
„Der Buchhändler hinten in seinem Laden war nichts als ein gebeugter, stiller Schatten, ein grauer Rücken, von einer Asche aus Eintönigkeit bedeckt, vielleicht saß er schon seit Jahrhunderten so da, seit man dieses Haus erbaut hatte…“
Über Bücher
„… mürrische gelehrte, Verliebte, entfesselte Furien, potentielle Mörder, und zarte Yundi rechten, zerbrechlichen jungen Mädchen, die Hand, Mädchen, deren Anmut mit jeder Wort reichen Beschreibung mehr zu viel. Manche Bücher waren wie stürmische, und rasierte Pferde, die mit einem davon galoppierten, während man sich klopfen, den Herzens an ihre Mähne klammerte. andere glichen Booten, die des nachts friedlich bei Vollmond über einen See glätten. Wieder andere waren wie Gefängnisse.“
Tja, und ich habe dieses Buch übrigens aus einer Kiste „Zu verschenken“ am Straßenrand gezogen. Es war noch ungelesen…




