Montag, 25. Mai 2026

Marion Poschmann: Die Kieferninseln

„Seine Annäherung an Matsushima war weniger Reisen, es war mehr ein Gleiten oder Schleichen, ein schneckenlahmes Vortasten, ein wolkenbehäbiges Heranrutschen, er reiste, so schien es ihm, wie eine just ausgestülpte, glänzende Puddingfigur, die langsam erkaltete, nachzitterte, die auf einer schrägen Fläche keinen Halt fand und die mit jeder amöbenhaften Bewegung mehr Form verlor.“

Marion Poschmann ist die große Zauberin der deutschen Sprache und für mich unbedingte Kandidatin für den Literaturnobelpreis.

So, und wo ich das gesagt habe, muss ich sogleich eine absolute Ausnahme machen und aus dem Klappentext zitieren: "Gilbert Silvester, Privatdozent und Bartforscher im Rahmen eines universitären Drittmittelprojekts, steht unter Schock. Letzte Nacht hat er geträumt, daß seine Frau ihn betrügt. In einer absurden Kurzschlußhandlung verläßt er sie, steigt ins erstbeste Flugzeug und reist nach Japan, um Abstand zu gewinnen.“

An einem Bahnhof trifft Gilbert auf den verhuschten Japaner Yosa Tamagotchi. Gemeinsam mit dem Selbstmordgefährdeten macht er sich auf die Reise durch Japan und nach innen. Aber: Es ist mehr ein Gleiten.

Dieses philosophische Vortasten zum Immergrünen (Kiefern und Tee) wird mit einer derart poetischen Tiefe, spielerischem Humor faszinierend strengen und doch leichten  Sprache behandelt, dass es ein wahrer Genuss ist. Absolute Leseempfehlung.

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