Montag, 30. März 2026

M. L. Rio: Graveyard Shift

 Meine Meinung: Kurze Geschichten sind immer besser als lange. Und ich bleibe dabei, auch wenn ich zugebe, dass ich mir angesichts dieser 100-Seiten-Erzählung manchmal gewünscht hätte, es ginge noch weiter oder würde sich entwickeln

Aber in dieser Erzählung - und nicht nur da - ist es gerade das Reduzierte, das für Horror sorgt. Sie folgt auf einem College-Campus fünf Menschen die alle nachts arbeiten oder unter Schlaflosigkeit leiden: die Chefredakteurin der Unizeitung, ein Barkeeper, eine Rezeptionistim, ein Fahrdienstfahrer und ein Wohnungsloser. Sie treffen sich regelmäßig nachts zum Rauchen auf einem verlassenen  Friedhof. 

Eines nachts entdecken sie zu ihrem Entsetzen ein frisch ausgehobenes Grab - und wenig später einen Mann, der hier toten Laborratten entsorgt. Die Tiere sind von einem seltsamen Pilz befallen und bald wird klar, dass hier Experimente mit Schlafmitteln außer Kontrolle geraten sind.

Eine große Auflösung? Fehlanzeige. Die Angst - und das hat Angst nun einmal an sich - ist unbestimmt und wuchert dadurch, dass Dinge nicht angesprochen werden. Man bleibt mit dem Eindruck zurück, dass die Geschichte nicht endet, sondern gerade erst beginnt. Die Schlaflosigkeit geht endlos weiter, nichts löst sich auf, nichts kommt zur Ruhe. Das mag ich.

Dienstag, 17. März 2026

Frank Schulz: Onno Viets und der Irre vom Kiez

Lange nach dem zweiten Teil habe ich nun auch den ersten gelesen. Immer noch fasziniert von Schulz' grotesker Sprachwucht. Aber irgendwie hat es seinen Zauber verloren. Vielleicht, weil es doch schon 14 Jahre alt ist. Trotzdem: Es ist ein Spaß, sich auf diese literarische Achterbahnfahrt einzulassen. Vielleicht ein Retro-Spaß. Aber was soll's.

In seinem ersten Abenteuer soll Onno der aktuellen Flamme des Popmagnaten Nick Dolan Untreue nachweisen. Dafür reist er nach Cala Llamp, Westmallorca, und entdeckt im Schwerkriminellen Tibor Tetropov den Übeltäter. Nur: Kann es sein, dass Onno, der lebensverlierende Noppensocken-Tischtennisspieler und Tibor, der Irre vom Kiez, so etwas wie Freunschaft schließen?