Die Expedition scheiterte, weil der Kapitän erkrankte. Dennoch gelangen Chamisso einzigartige Entdeckungen, von denen er einige in dieser schön bebilderten Auswahl seiner Tagebuchaufzeichnungen schildert. Vor allem aber sind es die allgemeinmenschlichen Betrachtungen, die dieses Buch so sympathisch und lesenswert machen. Chamisso erzählt von seiner Freundschaft mit dem Südseeinsulaner Kadu - der die Expidition ein großes Stück und bis in den hohen Norden begleitet - und macht sich Gedanken über dessen Weltsicht und Welterkennen. Eine perfekte Gelegenheit, um in Chamissos herrlichem Deutsch zu baden:
"Kadu, der, ein anderer Odysseus, ein vielbewegtes taten- und abenteuerreiches Leben zwischen den Wendekreisen auf einem Meerstrich geführt, dessen Ausdehnung beiläufig der Breite des atlantischen Ozeans gleichkommt, und nie das flüssige Lazur des Wasser erstarren, nie das üppige Grün des Waldes verwelken gesehen, - Kadu sah in diesen Tagen zum ersten mal das Wasser zum festen Körper werden und Schnee fallen. Ich glaube, dass ich ihm das grässliche Märchen unseres Winters nicht vorher erzählt hatte, um nicht von ihm, wenigstens bis zu der traurigen Erfüllung meiner Worte, für einen Lügner gehalten zu werden.“
Weniger gut versteht sich Chamisso mit Kapitän der ihn in seine Schranken weist und die Expedition, auf die Chamisso so brennt, schlicht abbricht.
Schon zu Beginn der Reise macht er die ernüchterte Feststellung, dass er als Wissenschaftler vor allem die Aufgabe hat, nicht zu stören, sich unsichtbar zu machen: "Er hat hochherzig von Kämpfen mit den Elementen, von Gefahren, von Taten geträumt, und findet dafür nur die gewohnte Langeweile und die nie ausgehende Scheidemünze des häuslichen Elendes, ungeputzte Stiefeln und dergleichen." Die ganze Tragik des Urwaldschiffes...
Oder auch: Alle Abenteuer sind Luxus, den einem andere ermöglichen. Für die Seeleute gilt nur die Arbeit, nicht das Abenteuer. Auch er selbst soll seine Arbeit tun, die sich nicht groß von dem unterscheidet, was er zu Hause in Berlin macht.

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