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Donnerstag, 16. Juli 2026

Alexander Pechmann: Das Haus des Bücherdiebs

Als ich mir dieses Buch kaufte und zum ersten Mal las, gab es diesen Blog noch nicht. Ist also schon eine Zeit lang her. Tatsächlich ist es 2010 erschienen.

Seitdem habe ich viele, viele Bücher zum Thema studiert, muss aber sagen, das ist eines der besten, ähnlich geistreich wie El Infinito en un junco, aber um einiges kurzweiliger. Hat sich also auch beim zweiten Lesen gelohnt.

26 Kapitel erzählen von historischen Persönlichkeiten, die eine meist kauzige, manchmal krankhafte Beziehung zu Büchern unterhielten.

Letzteres trifft beispielsweise auf den katalanischen Mönch und Mörder Don Vincente zu, dessen Fall Flaubert zu seiner Erzählung Bibliomanie inspirierte.

Pechmann schildert Bibliophilie, Bibliophagie und Bibliomanie in verschiedenen Ausprägungen und Schweregraden. Antonio Magliabechi, der versierte Bibliothekar - eine "wandelnde Bibliographie". Charles Chadenat, der eigenbrötlerische Pariser Antiquar, der nur äußerst widerwillig ein Buch verkaufte. William Blake, der sich seine eigene, furchterregend-surrealistische Bibliothek zusammenschrieb, -zeichnete und -druckte. 

Porträtiert sind Schnorrer und Möchtegern-Intellektuelle, die sich als verheißungsvolle Schriftsteller gerieren und die Mitwelt zum Narren halten (wie Pechmann erinnert, perfekt im Foma Fomitsch in Dostojewskis Das Gut Stepantschikowo und seine Bewohner karikiert): so wie Frederick Rolfe alias Baron Corvo und der Wiener Peter Altenberg.

Interessant und äußerst treffend scheint auch die erwähnte Erzählung von Charles Asselineau über die Hölle des Bibliomanen, der in einem Alptraum gezwungen wird, wertlose Scharteken zu kaufen und eigene Schätze zum Spottpreis loszuschlagen. Muss ich lesen!

Die Faszination, die von der Jagd nach Büchern ausgeht, klingt schon im anfänglichen Kapitel um einen persischen Gelehrten an, der sein Leben lang nach einem verschollenen Buch fahndet, nur um, als er es endlich hat, festzustellen, dass es voller Unsinn steckt. Aber das sollte uns nicht allzu sehr ärgern, denn, O-Ton Pechmann:

„Denn wenn das Suchen wichtiger ist, dass das Finden, der Schlüssel wichtiger als der Schatz und der Weg wichtiger als das Ziel, dann hätten wir alles, was wir brauchen, um glücklich zu sein."

Dienstag, 14. Juli 2026

Howard P. Lovecraft: Cthulhus Ruf

Eine kurze Erzählung wie ein Fiebertraum, die keine besondere Handlung zu bieten hat, aber unendliches Grauen heraufbeschwört. Im Jahr 1928 veröffentlicht.

In einer Rahmenhandlung stöbert Francis Wayland Thurston in den Dokumenten seines verstorbenen Onkels, eines Professors für semitische Sprachen. der sich mit okkulten Phänomenen beschäftigt hatte…

…und entdeckt in einer Kiste Schriftstücke, die von einem unbekannten Kult um ein übernatürliches, tentakelbewehrtes Wesens namens Cthulhu erzählen. Es ist gefangen in R’lyeh, einer Stadt, die als ein geometrisch unmögliches („nicht-euklidisches“) Bauwerk und wie aus dem Nichts im Ozean auftaucht.

Mehrere Handlungen, Augenzeugenberichte von Seefahrern, Künstlern und Ermittlern, die mit dem Wesen oder seinem „Ruf“ in Kontakt gekommen sind, schälen sich heraus. Es wird klar: Weltweit existiert ein Kult um Cthulhu, dessen Anhänger das Wesen ekstatisch verehren und seiner Auferstehung entgegenfiebern.

Auch das Necronomicon, dieses rätselhafte (und imaginäre?) Zauberbuch, verfasst von einem gewissen Abdul Alhazred, taucht hier auf. Nicht die Geschichte, sondern die Welt zu Weiterfantasieren, die Lovecraft geschaffen hat, ist das Faszinierende.

Mittwoch, 8. Juli 2026

Robin Ince: Bibliomaniac

Robin Ince, englischer  Comedian, Schauspieler und ehemaliger BBC-Moderator von Wissenschaftssendungen, konnte während der Coronazeit nicht in großen Hallen auftreten und unternahm stattdessen eine Tour durch mehr als 100 Buchläden in Großbritannien.

Das ist schöne britische Buchcomedy. Ince witzelt über exzessives Bücherkaufen und -schleppen als Sport, der ihm Muskeln beschert, uralte Werbematerialien, die er auf Buchhandlungstoiletten entdeckt und studiert, seine Strategien, Impulsbücherkäufe vor seiner Frau zu verstecken…

Anders als in Torsten Woywods Reiseberichten, die sich fast lexikalisch lesen, erfährt man hier über die Buchhandlungen von Oxford bis Wigtown, Edinburgh. bis London, aber auch im Kleinstädten wenig bis nichts. Der Autor zählt oft nur auf, welche kuriosen Schmöker er sich dort gekauft hat und schweift dann meist unterhaltsam ab. 

Fast könnte man den Eindruck haben, er hätte sie gar nicht besucht. Hat er aber natürlich. Wahrscheinlich hat er nur den Entschluss, über sie zu schreiben, später getroffen und musste sich dann auf seine Erinnerung verlassen. Ganz nette Unterhaltung, aber kein Muss für Bibliophile.